Career tips -

Die fünf größten Karriere-Mythen – und wie sie sich vermeiden lassen

Es kursieren viele Karriere-Mythen, wie man angeblich an die Spitze kommt - oder was den Aufstieg verhindert.

Wir begegnen ihnen überall: in Zeitungen, Zeitschriften und Ratgebern. Manche Mythen halten sich seit Jahrzehnten: "Frauen machen keine Karriere" und „Auslandsaufenthalt erhöht die Chancen auf Beförderung“. Andere sind neu: "Ohne Medienpräsenz kein Aufstieg", "Mit dem richtigen Netzwerk geht der Aufstieg fast von alleine". Aber worauf kommt es beim Karrieremachen nun wirklich an? Wie sehen die Anforderungen und Wünsche der Unternehmen aus? Und welche Strategien und Regeln im wirtschaftlichen Alltag sind tatsächlich erfolgreich?

Fakt ist, dass es kein umfassendes Erfolgsrezept für eine Karriere gibt, bei der erfolgsversprechende Zutaten zusammengemischt werden und eine nicht mehr aufzuhaltende Karriere entsteht. Allerdings gibt es einige Regeln, die man beachten sollte, um auf der Karriereleiter die Chance zum hochklettern zu erhalten.

Mythos 1: In einer Krise macht man keine Karriere

Eine Rezession sei karrierehemmend, heißt es. In den Wirtschaftsnachrichten wird fast ausschließlich von Stellenabbau und Gehaltskürzungen gesprochen. Unternehmen konzentrieren sich in wirtschaftlich schlechten Zeiten mehr auf den Abbau als auf den Aufbau von Mitarbeitern. Folge ist, Mitarbeiter bleiben in ihren Positionen und versuchen die Krise an vermeintlich sicheren Arbeitsplätzen zu überstehen.

In Krisenzeiten sind Personalberater mehr denn je gefragt, denn Unternehmen wählen bei der Stellenbesetzung sorgfältiger aus, und es gibt eine deutlich geringere Fehlertoleranz. Das hat zur Folge, dass sich bei der Personalauswahl verstärkt die guten Leute durchsetzen.

Unser Tipp:
Mitarbeiter, die bisher in der zweiten Reihe gearbeitet haben, sollten gerade in Umbruchphasen die Chance bei einem Jobwechsel nutzen und sich auf Restrukturierungsjobs bewerben. Auch für Jobeinsteiger bietet eine Rezession Chancen. Gerade wer die angeforderten Fähigkeiten berücksichtigt und ein erhöhtes Maß an Flexibilität aufweist, hat beim nächsten Aufschwung die Nase vorn. Wer in der Wirtschaftskrise die Möglichkeit erhält, hilfreiche Praxiserfahrung aufzubauen, sollte nicht lange über den Status nachdenken. Bewerben Sie sich  - auch für weniger Geld, wechseln können Sie nach der Rezession immer noch – und zwar deutlich erfolgversprechender als ohne Berufserfahrung.

Mythos 2: Netzwerke helfen immer bei der Karriere

In den letzten Jahren hat der Bereich des Online-Networkings zugenommen. XING, Facebook und LinkedIn sind als Business-Portale sehr begehrt, aber sind sie der Einstieg in eine Karriere? Netzwerke sind ein Medium, über die sich Informationen verbreiten, die allerdings auch negative Folgen haben können. Natürlich kann der Einzelne durch sein virtuelles Netzwerk profitieren und vielleicht auch von einem Jobangebot erfahren. Aber wie ihm ergeht es vielen anderen auch, die ebenfalls die Chance zur Bewerbung erhalten.

Unser Tipp:
Wählen Sie sorgfältig die Netzwerkportale aus, in denen Sie Informationen über sich preisgeben. Gehen Sie sparsam mit persönlichen Informationen um. Gerade die Preisgabe etwa der Wechselbereitschaft im Job ist sehr gefährlich. Managen Sie die Informationen und machen Sie nur zugänglich, was auch sicher langfristig positiv gesehen wird. In unserem Artikel "Das Internet als Karriere-Förderer und -Killer" erfahren Sie mehr zum sorgsamen Umgang mit der Online-Präsenz und den eigenen Online-Aktivitäten.

Mythos 3: Ein Auslandsaufenthalt fördert den Aufstieg

In Deutschland ist die Empfehlung für einen Auslandsaufenthalt weltweit am Verbreitesten. Andere Industrieländer nutzen Auslandssemester oder auch eine längere Europareise – meist aber eher zum Zweck der Bildung als zur Förderung der Karriere. Der Auslandsaufenthalt ist hier eher ein soziales Erkennungsmerkmal als ein Karrierebeschleuniger. Denn in der Zwischenzeit haben Daheimgebliebene die Chance sich die Inlandsposten unter sich aufzuteilen und der Reihe nach aufzusteigen. Sie haben ihr deutsches Netzwerk zielgerichtet entwickelt und sitzen nun in Positionen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Unser Tipp:
Jeder, dem ein Auslandsaufenthalt angeboten wird, sollte genau prüfen, was die vorhandenen Alternativen im Unternehmen wären und welche Verbesserungen durch den Auslandsaufenthalt wirklich entstehen würden. Sowohl von der Position her als auch gehaltlich. Wenn die Perspektive sehr positive Auswirkungen hat, lassen Sie sich diese schriftlich bestätigen. Prüfen Sie auch Ihre externen Chancen, falls Sie intern keine Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Nur wenn auch externe Aussichten deutlich erkennbar sind, dient der Auslandsaufenthalt wirklich der Karriere.

Mythos 4: Frauen machen keine Karriere

Ein in Deutschland weit verbreiteter Mythos besagt, dass Frauen in der Wirtschaft benachteiligt sind. Schaut man sich die Unternehmensspitzenkräfte an, so stellt man einen Zuwachs an weiblichen Führungskräften fest. Wobei laut statistischem Bundesamt Frauen immer noch durchschnittlich 23 Prozent weniger verdienen als Männer und der Unterschied sogar mit zunehmenden Alter wächst. Hauptsächlich liegt das an den Angaben der aktuellen Gehälter und Wunschgehälter der Kandidaten. Oft sind es die Frauen selbst, die zu niedrige Gehaltswünsche angeben, und natürlich bieten Unternehmen von sich aus kaum höhere Gehälter an.

Unser Tipp:
Gerade weibliche Bewerberinnen sollten sich vor einem Bewerbungsgespräch ausführlich mit öffentlichen Gehaltsinformationen beschäftigen. Sprechen Sie mit dem Personalberater Ihres Vertrauens, der die Branche kennt. Er wird Ihnen aktuelle und objektive Orientierungswerte geben.

Mythos 5: Wegen der Familie kann ich jetzt nicht wechseln

Gerade am Anfang einer beruflichen Karriere stehen häufig Aufstiegs- und Privatinteressen nicht im Einklang. Einen Job auszuschlagen, der einen angestrebten Karriereschritt bedeutet, jedoch in einer anderen Stadt liegt und somit eine Wochenendehe nach sich führt, kann sich am Anfang einer Laufbahn kaum jemand erlauben. Genauso die Ablehnung einer Beförderung, weil sie mehr Reisetätigkeit erfordert. Und je höher und wichtiger die Position im eigenen Unternehmen ist, desto mehr Flexibilität und Reisebereitschaft wird von dem einzelnen Arbeitnehmer erwartet.

Unser Tipp:
Sehen Sie Familie und Karriere nicht als Gegensatz. Wenn sich durch einen Karriereschritt auch die finanzielle Situation verbessert, so kommt es hauptsächlich der Familie zugute. Ebenso festigt der Erfolg die Position einer Führungskraft und sorgt so für Ausgeglichenheit und Sicherung des Auskommens der Familie. Diskutieren Sie mit Ihrem Partner über einen eventuell anstehenden Ortswechsel, auch dieser kann interessante und aussichtsreiche Perspektiven für die ganze Familie ergeben.

Mehr zu den größten Karriere-Mythen lesen Sie im Buch von Marcus Schmidt: „Die 40 größten Karriere-Mythen - Ein Headhunter zeigt, worauf es ankommt“; Eichborn Verlag, 208 Seiten; 19,95 Euro.

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