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Spindiag GmbH: Alles über das MedTech-Start-up aus Freiburg

Die Spindiag GmbH aus Freiburg hat eine Plattform für PCR-Schnelltests entwickelt. Alle Infos zu Technologie, Corona-Förderung und Insolvenzverfahren

Bildquelle: Spindiag GmbH

Die Spindiag GmbH wurde 2016 als Spin-off des Hahn-Schickard-Instituts für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg gegründet. Das Ziel des Unternehmens war es, medizinischem Personal schnelle molekulardiagnostische Tests direkt am Point of Care zur Verfügung zu stellen. Die Gründer, die aus den Bereichen Biologie, Medizintechnik und Mikrofluidik kamen, nutzten dabei Konzepte, die am Hahn-Schickard-Institut entwickelt wurden.

Nach der Gründung baute Spindiag ein Entwicklungslabor in Freiburg auf, akquirierte Fördermittel und arbeitete mit Partnern wie dem Universitätsklinikum Freiburg und Hahn-Schickard zusammen. Neben Landesmitteln flossen auch größere Finanzierungen in die Entwicklung der Plattform. So unterstützte das Land Baden-Württemberg beispielsweise die Entwicklung eines PCR-Schnelltests mit rund sechs Millionen Euro. Zudem wurde die Weiterentwicklung der Plattform durch Finanzierungen, wie etwa eine EIB-Finanzierung, öffentlich begleitet.

Technologie

Die Plattform besteht aus einer mikrofluidischen Kartusche und einem kompakten Analysegerät. Die Kartusche enthält Reagenzien und automatisiert die Probenvorbereitung sowie die PCR-Auswertung. Das Ziel bestand darin, Erreger innerhalb von 30–40 Minuten direkt am Point of Care nachzuweisen. Ursprüngliche Schwerpunkte lagen unter anderem auf multiresistenten Erregern wie MRSA. Im Verlauf der Pandemie wurde die Plattform für die Analyse von SARS-CoV-2 angepasst.

Einsatz in der COVID-19-Pandemie

Auf Basis einer Kooperation mit Forschungspartnern und dank der Förderung durch das Land konnte ein PCR-basierter Schnelltest als Point-of-Care-Lösung entwickelt werden, der nach rund 35–40 Minuten ein Ergebnis liefern sollte. Die Landesförderung trug maßgeblich zur Beschleunigung der Markteinführung bei.

Markteintritt und Personalaufbau

Spindiag wuchs in der Hochphase auf eine erhebliche Zahl von Mitarbeitenden an (in Berichten wird vereinzelt ein Peak von ca. 120 Mitarbeitenden genannt). Aufgrund des starken Rückgangs der Nachfrage nach SARS-CoV-2-Tests bei weiterhin hohen Entwicklungskosten kam es zu Restrukturierungen und Personalabbau. Zum Zeitpunkt des späteren Asset-Deals (siehe unten) war die Belegschaft deutlich reduziert.

Insolvenzverfahren

Vorläufige Insolvenzanmeldung: Am 21. Juni 2023 meldete Spindiag ein vorläufiges Insolvenzverfahren an und erklärte, den Geschäftsbetrieb vorerst fortzuführen, während Investoren akquiriert werden sollten. Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde Dr. Gesa Pantaleon gen. Stemberg bestellt.

Eröffnung des Insolvenzverfahrens: Durch Beschluss des Amtsgerichts Freiburg wurde das Insolvenzverfahren am 01.09.2023 (Az. 58 IN 362/23) eröffnet; das Handelsregister verzeichnete die entsprechenden Eintragungen.

Asset-Deal / Konsequenz: Laut einem von der Verkaufsberatung InsoConsult veröffentlichten Pressepapier (Januar 2024) konnte ein Bieterkonsortium aus Dermagnostix GmbH, Endress+Hauser BioSense GmbH und der Hahn-Schickard-Gesellschaft ein umfassendes Asset-Paket der insolventen Spindiag erwerben. Die Meldung nennt zum Zeitpunkt des Verkaufs eine Restbelegschaft von 37 Mitarbeitenden. Das bedeutet: wesentliche Technologiebausteine, Know-how und weitere Assets sind im Rahmen dieses Asset-Deals an das Konsortium übergegangen und werden seither nicht mehr ausschließlich unter dem Namen Spindiag als eigenständiger Marktteilnehmer betrieben.

Hinweis: Welche Patente, Geräte oder IP-Rechte konkret übertragen wurden, ist öffentlich nicht vollständig dokumentiert. Für rechtliche Details sind Einsicht in die Insolvenzakte oder Auskünfte des Insolvenzverwalters notwendig.

Weiterverwendung der Technologie

Die technische Kernidee der Spindiag-Plattform lebt weiter, und zwar teils durch die direkte Übernahme von Assets durch Dritte, teils durch die Nutzung verwandter Hahn-Schickard-Komponenten. Konkret zeigen die Quellen folgende Nutzungsfelder:

Endress+Hauser BioSense
Entwickelt ein automatisiertes PCR-Analysis System (u. a. Device BAB00 plus Kits) für Water & Wastewater, Food & Beverage und Life Sciences. Mit On-Site-PCR-Analysen für Abwasserüberwachung, Lebensmittelsicherheit und industrielle Prozesskontrolle finden PCR-Bausteine aus dem Spindiag-Kontext hier neue Anwendungen.

Dermagnostix & Spin-offs
Dermagnostix nutzt mikrofluidische Plattformkonzepte für spezialisierte Diagnostik-Kits in der Dermatologie. Durch die Übernahme von Vermögenswerten sind diagnostische Anwendungen und Gerätekomponenten aus dem Spindiag-Portfolio in diese Nischenanwendungen eingeflossen.

Hahn-Schickard & Forschungspartner
Als ursprünglicher Forschungspartner war Hahn-Schickard ebenfalls Teil des Konsortiums. Somit ist die Fortführung der technologischen Grundlagenforschung gesichert.

Bedeutung und Ausblick

Spindiag war technologisch stark und erhielt nennenswerte Förderungen. Die Insolvenz und der anschließende Asset-Deal zeigen jedoch auch die wirtschaftlichen Risiken der Kommerzialisierung diagnostischer Plattformen in einem volatilen Markt, wie beispielsweise einem Nachfrageeinbruch nach Corona-Tests. Gleichzeitig ist es ein positives Signal für den Technologietransfer: Kernbestandteile der Plattform werden über den Asset-Deal und Partnerschaften, beispielsweise mit Endress+Hauser BioSense und Dermagnostix, in industriellen und spezialisierten diagnostischen Anwendungen weitergenutzt. Damit bleibt der Innovationsimpuls aus Freiburg in veränderter Form erhalten.

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