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Denkt man an Medizintechnik aus Baden-Württemberg, fallen einem meist die Namen Aesculap oder Karl Storz ein. Dabei sind allein in Tuttlingen mehr als 400 Medizintechnikunternehmen ansässig, von denen viele in ihrer Nische Weltmarktführer sind, ohne dass Patienten je ihren Namen lesen. Zwei dieser Unternehmen zählen zu unseren Kunden: KLS Martin aus Tuttlingen und Stockert aus Freiburg. Die IHK-Zeitschrift „Wirtschaft im Südwesten“ hat beide im August 2026 als Hidden Champions porträtiert. Wir stellen die Frage aus Personalsicht: Was bedeutet es für Unternehmen und Bewerber, wenn ein Weltmarktführer außerhalb von Fachkreisen kaum bekannt ist?
Der Begriff „Hidden Champion“ wurde 1990 vom Ökonomen Hermann Simon geprägt und bezeichnet Unternehmen, die in ihrem Markt weltweit zu den drei führenden gehören oder auf ihrem Kontinent die Nummer eins sind, höchstens fünf Milliarden Euro Umsatz erzielen und in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt sind.
KLS Martin wird 2026 sein 130-jähriges Bestehen feiern. Das Familienunternehmen beschäftigt weltweit mehr als 2.700 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen Umsatz von über 500 Millionen Euro und erzielt davon rund 90 Prozent im Ausland. Die Produkte kommen in 140 Ländern zum Einsatz und das Sortiment umfasst mehr als 12.500 chirurgische Instrumente. In der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zählt KLS Martin seit Jahrzehnten zur Weltspitze.
Wachstum kommt derzeit vor allem aus patientenindividuellen Lösungen. Chirurgen planen Eingriffe vorab am Computer. Auf Basis dieser Daten entstehen Implantate sowie Bohr- und Sägeschablonen (Führungshilfen für den exakten Schnitt) als Einzelstücke im 3D-Druck. Neu im Portfolio sind Implantatsysteme für Hand, Fuß und Traumachirurgie. Geschäftsführender Direktor Christian Leibinger sieht in der geringen Bekanntheit des Unternehmens keinen Nachteil. Für ihn zählt das Vertrauen der Chirurgen mehr als öffentliche Aufmerksamkeit: „‚Hidden Champion‘ bedeutet für uns nicht, verborgen zu sein.“
Stockert ist mit rund 90 Beschäftigten und etwa 20 Millionen Euro Umsatz deutlich kleiner. Das Freiburger Unternehmen entwickelt seit 40 Jahren Technik für minimalinvasive Therapien, vor allem für die Elektrophysiologie (Behandlung von Herzrhythmusstörungen per Katheter direkt am Herzen). Weltweit stehen mehr als 8.000 Hochfrequenzgeneratoren von Stockert in Herzkatheterlaboren. 52 Prozent seiner Gesamtkosten investiert das Unternehmen in Forschung und Entwicklung; rund 60 Prozent der Belegschaft arbeiten an neuen Produkten und Verfahren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Pulsed Field Ablation (PFA), bei der Herzgewebe mit kurzen elektrischen Impulsen statt mit Hitze verödet wird. Mit der Übernahme von Tegus Medical in Hamburg baut Stockert außerdem die Bereiche Digitalisierung, Cloud-Technologie und KI für den Einsatz im OP aus.
Für Bewerber lohnt sich ein Blick hinter die bekannten Namen. Ein Grund dafür ist die Nähe zum Produkt. Stockert bündelt Idee, Entwicklung, Zulassung, Produktion und Service am Standort Freiburg. Wer dort arbeitet, sieht, wie die eigene Arbeit im Katheterlabor ankommt, und erreicht die Kollegen aus anderen Abteilungen über den Flur statt über drei Zeitzonen.
Der zweite Grund ist die Verantwortung. In kleineren Teams fällt der Beitrag des Einzelnen stärker ins Gewicht. Stockert besetzt viele Führungspositionen mit internen Mitarbeitern und baut Know-how lieber selbst auf, als es einzukaufen. Für Fachkräfte mit Führungsambitionen ist das ein klarer Entwicklungspfad.
Dazu kommt Planungssicherheit. Familienunternehmen wie KLS Martin denken in Generationen. Das Unternehmen investiert derzeit in den Ausbau seines Standorts Mühlheim an der Donau mit neuen Büroflächen und zusätzlichen Angeboten für Mitarbeitende. Bei Stockert haben mehr als 90 Prozent der Beschäftigten einen unbefristeten Vertrag.
Und schließlich die Frage nach dem Sinn. Beide Unternehmen entwickeln Produkte für Situationen, in denen es um Lebensqualität und oft um Menschenleben geht. Christian Leibinger (KLS Martin) und Stockert-Chef Christoph Gerber nennen dies übereinstimmend als Antrieb für ihre Teams.
In unserer Beratungspraxis sehen wir regelmäßig, dass Kandidaten Hidden Champions zunächst gar nicht auf ihrer Liste haben. Nach dem ersten Gespräch über Aufgaben, Entscheidungswege und Perspektiven ändert sich das jedoch oft.
Die Schwerpunkte der beiden Unternehmen zeigen, wohin sich die Nachfrage in der Medizintechnik bewegt:
Gefragt sind vor allem Schnittstellenprofile: Entwickler, die regulatorische Anforderungen mitdenken, oder Regulatory-Manager, die die Technik verstehen.
Für Unternehmen hat die Unauffälligkeit jedoch auch eine Kehrseite. Bei der Suche nach Spezialisten konkurrieren sie mit Konzernen, die jeder kennt. Stellenanzeigen erreichen vor allem aktiv Suchende. Erfahrene Elektrophysiologie-Ingenieure oder Regulatory-Manager sind jedoch selten aktiv auf Jobsuche.
Folgende Ansätze haben sich bewährt:
In unseren Branchen beobachten wir, dass Hidden Champions im Bewerbungsprozess besonders dann überzeugen, wenn die Geschäftsführung oder die Fachbereichsleitung frühzeitig selbst mit den Kandidaten spricht. Wie wir KLS Martin bei der Besetzung von Positionen unterstützen, zeigt unsere Referenz KLS Martin.
KLS Martin und Stockert zeigen, wie unterschiedlich Hidden Champions sein können: Einerseits gibt es das Familienunternehmen mit über 2.700 Beschäftigten, andererseits den Spezialisten mit rund 90 Mitarbeitern. Gemeinsam ist ihnen die Konzentration auf eine Nische, ein hoher Forschungsanteil und Produkte, auf die sich Ärzte in kritischen Momenten verlassen. Fach- und Führungskräfte finden dort Aufgaben mit direktem Produktbezug und kurzen Entscheidungswegen. Die Unternehmen wiederum müssen diese Stärken auf dem Arbeitsmarkt sichtbar machen. Mit digitaler Operationsplanung, KI und neuen Verfahren wie PFA wird der Bedarf an Schnittstellenprofilen in den nächsten Jahren weiter steigen.
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